Betrug: Weiterversenden von Paketen

NaiverStudent

Frisch registriert
Das habe ich vom Anwalt bekommen

"Die Kollegin hat Recht. In Betracht kommt zwar der Straftatbestand der Beihilfe zum Betrug. Aber die Beihilfe kann Ihnen nur angelastet werden, wenn Sie Kenntnis davon hatten, dass die Pakete zu betrügerischen Absichten bei Ihnen ankommen und weitergeleitet werden.

Falls es zu einem Strafprozess gegen Sie kommen sollte, muss Ihnen diese Kenntnis nachgewiesen werden. Das Gericht muss von der Staatsanwaltschaft davon überzeugt werden, dass Sie es wussten. Dieser Nachweis wird schwierig zu führen sein. Gelingt der Beweis nicht oder bleiben Zweifel, sind Sie freizusprechen.

Es ist aber nicht davon auszugehen, dass es zu einem Prozess kommt. Denn dass Sie sich selbst angezeigt haben und das nach nur 16 Paketen ist ein starkes Indiz dafür, dass Sie nicht gewusst haben, Teil einer Betrugsmasche zu sein."
 

BenTigger

Master of Desaster ;-)
Teammitglied
Und er spricht hier NUR von Strafrecht.

Zivilrechtlich ist das dann ein ganz anderes Ding.
Hier kann jeder dich privat auf Schadensersatz verklagen und das ist dann Zivilrecht.
Da kann man dann nicht sagen, Ich habe keine Strafe bekommen, also muss ich da kein Schadenersatz zahlen.
Das ist dann in dem Zivilrecht Fall unerheblich und muss nicht beachtet werden.
Ob das dann überhaupt mit berücksichtigt wird, liegt allein am klagenden Anwalt, dem Richter und deinem Verteidiger.
Je nachdem, wer die besseren Argumente hat, um den Richter auf seine Seite zu ziehen.

Ich kenne einen armen Wicht, der sich so blöde verhalten hat, dass er voll Schadensersatzpflichtig wurde und dann Privatinsolvenz anmelden durfte.

Und nochmal, jeder Anwalt hat sein Spezialgebiet.
Ein Strafrechtler muss nicht auch in Zivilrecht bewandert sein, das sind zwei verschiedene Gesetzbücher.
 

jupp11

Sehr aktiv
  • Der „Paketagent“ dient lediglich dazu, die Spur zu den Haupttätern zu verschleiern. Auf diese Weise wird er leichtfertig zum Geldwäscher, macht sich strafbar und sieht sich regelmäßig mit zivilrechtlichen Forderungen der geschädigten Firmen konfrontiert, da er der „Besteller“ und Empfänger der Waren ist.
  • Die Meldung der neuen „Arbeit“ bei der Agentur für Arbeit kann bewirken, dass die Zahlung des Arbeitslosengeldes eingestellt wird.
  • Die Tätigkeit als „Paketagent“ dauert meist nur wenige Wochen, denn der versprochene Lohn wird in der Regel nicht gezahlt.
  • Durch die strafrechtlichen und zivilrechtlichen Konsequenzen kann der einfache Job mit dem angeblich leicht verdienten Geld richtig „teuer“ werden.
 

Reducal

Forenveteran
Das habe ich vom Anwalt bekommen...

Sorry, dass ich mich noch einmal hier einschalte, denn dem NaiverStudent ist wenig zu helfen, wenn sich nicht einem Anwalt bedient, der sich mit sowas auskennt.

Die erfahrenen Kollegen hier haben meines Erachtens auf ganzer Linie Recht, mit ihren Hinweisen. Dass aber der Paketagent der Beihilfe zum Betrug verdächtig ist, ist etwas dahergeblubbert. Sein Handeln erfüllt einen ganz eigenen Straftatbestand, nämlich zumindest wegen der leichtfertigen Geldwäsche; Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte, nach 261 StGB. Im ursprünglichen Fall des sonstigen Warenkreditcomputerbetruges, nach § 263 a StGB, ist der Paketagent letztlich formal als Zeuge zu bewerten. Er kommt zwar durchasu als gefälliger Gehilfe für die Haupttäter in Betracht, doch dem Tatvorwurf mangelt es zumeist am Vorsatz, zumal i. d. R. Rechtfertigungsgründe (wie z. B. ein (irrtümlich) glaubwürdiges Jobangebot mit Arbeitswvertrag und die Inserate dazu) vorliegen.

Strafrecht: ...in der Regel haben gerichtsfest ermittelte Paketagenten zumindest mit einem Strafbefehl zu rechnen, der nur dann abgewendet wird, wenn ein Anwalt für seinen verdächtigen Mandanten mit Sache betraut ist. Sicher, viele Verfahren werden in Bequemlichkeit einer Staatsanwaltschaft auch ohne Strafinteresse eingestellt, doch damit sollte niemand rechnen.

Zivilrecht: ...wer ein Paket/Ware empfängt, muss sich die Vertrags- bzw. Gebrauchsabsicht anlasten lassen. Sich damit herausreden zu wollen: ...ellabätsch, ich habe das nur für unbekannte Betrüger weiterversandt, ist hinsichtlich dem Schadenersatz nachrangig. Derartige Rechtfertigungsgründe sind vom BGB nicht gedeckt. Da könnte ja sonst jeder mit durchkommen und es müsste im Umkehrschluss niemand mehr was im Online-Versandhandel nach einem Zahlungsausfall beim Händler bezahlen.
 

Hippo

Moderator
Teammitglied
Sein Handeln erfüllt einen ganz eigenen Straftatbestand, nämlich zumindest wegen der leichtfertigen Geldwäsche; Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte, nach 261 StGB. Im ursprünglichen Fall des sonstigen Warenkreditcomputerbetruges, nach § 263 a StGB, ist der Paketagent letztlich formal als Zeuge zu bewerten. Er kommt zwar durchasu als gefälliger Gehilfe für die Haupttäter in Betracht, doch dem Tatvorwurf mangelt es zumeist am Vorsatz, zumal i. d. R. Rechtfertigungsgründe (wie z. B. ein (irrtümlich) glaubwürdiges Jobangebot mit Arbeitswvertrag und die Inserate dazu) vorliegen.
Das ist zwar soweit richtig und auch bekannt.
Nur diese Feinheiten einem Laien aufzudröseln ist (meist) vergebliche Liebesmüh.
Mit dem Begriff "Betrug" (als Oberbegriff) kann aber jeder was anfangen.
Und wegen welchen Paragrafen der Paketagent letztendlich abgewatscht wird ist unterm Strich egal.
 

jupp11

Sehr aktiv
Strafbar ist ausschließlich der vorsätzliche Betrug, nicht auch der fahrlässige Betrug.

Betrug gemäß §263 setzt Vorsatz voraus.
(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
 
A

Ash12

Hello I have been scammed two the same way. I have reported to the police and called the company. But even though I received today a letter from Inkasso that I have to pay. Any clue what to do.
 

BenTigger

Master of Desaster ;-)
Teammitglied
This is civil law and should be discussed with a lawyer.
We must not and cannot give you any personal help, tips or advice, as this would then be interpreted as prohibited legal advice and we would be liable to prosecution.
 
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