Banditentum im Internet

#1
Erkrath: Kampf gegen Internet-Betrug | RP ONLINE
Er schätzt, dass er seinen Kunden die Zahlung von rund 175 000 Euro ersparen konnte. Doch die Verluste der hereingelegten Internetnutzer, die sich nicht wehren und bezahlen, schätzt er deutlich höher ein. Sein Rat: Niemals persönliche Daten bei solchen Abfragen angeben.
Sehr "nett": Ein Beratungsbüro der Verbraucherzentralen verzeichnet Schäden von 175 000 Euro. In ganz Deutschland erbeuten diese Banden Millionenbeträge. Ganz normal. Am hellichten Tag.

Das Verbraucherschutzministerium ist wohl weiterhin nicht besetzt ...
 
#2
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Solange Vater Staat seinen Anteil an der Beute in Form von Steuern regelmässig bekommt, wird sich daran auch so schnell nichts ändern.


Eniac
 
#3
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Genau die Hoffnung halte ich für nicht sehr begründet. Wer ist mit so viel Mühe konspirativ vor der Öffentlichkeit tarnt und gemeinwohlschädigende Raffgier zur Schau trägt, soll ausgerechnet bei der Steuer anders handeln?

Die soziale Komponente wird sich auf private Stützungskäufe bei der notleidenden Firma Porsche beschränken.
 
#4
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Der typisch deutsche Hang zum neoliberalen "Sich-selbst-überlassen des Marktes" ist ungebrochen.
Im Gegensatz zu den angeblich so neoliberalen angelsächsischen Ländern, die zur Kontrolle des Marktes staatliche Behörden haben (in den USA: die FTC, in GB: das OFT), vertraut man hier darauf, dass nichtstaatliche Organisationen wie die Verbraucherzentralen oder die Wettbewerbszentrale "schon alles richten werden".
Deren Aufgabe soll es sein, über Wettbewerbsklagen die gröbsten Auswüchse zu bereinigen. Was aber immer weniger zu greifen scheint. Letzten Endes sind das nur zahnlose Tiger ohne Exekutiv-Vollmachten, die immer nur endlos lange klagen können, mit Streitwerten, die dann im Vergleich zu den erwirtschafteten Gewinnen lapidar sind.
Ein Sysiphus-Job.

Selbst da, wo es staatliche Aufsicht gibt, schafft die es nicht, Wirtschaftskriminalität wirksam zu bekämpfen.
Deutsche Staatsanwälte sind bezüglich der Bekämpfung von Internetkriminalität häufig ohne nennenswerten Enthusiasmus.
Die Bundesnetzagentur hat auch ihre Probleme, den Missbrauch von Mehrwertnummern wirksam einzudämmen.
Unseriöse Inkassobüros und Rechtsanwälte werden kaum wirksam belangt. Wenn einem Inkassobüro die Zulassung entzogen wird, dann dauert das inklusive Widerspruchsverfahren ein bis eineinhalb Jahre. Während dieser gesamten Zeit darf der Halunke weiter sein Mengeninkasso treiben und hat schonmal Zeit, über einen Strohmann das nächste Büro aufzumachen.

Man wird den Eindruck nicht los, dass Wirtschaftskriminalität im Internet zu einem geduldeten Biotop gewohnheitsrechtlich legitimierter Kavaliersdelikte mutiert ist.
 
#5
AW: Banditentum im Internet

Legendär ist die Ignoranz den Verbraucher"schutz"ministeriums bezüglich der Dialerei, um angeblich seriösen Anbietern die Schaffung von Arbeitsplätzen zu ermöglichen. Solche Anbieter gab es nie. Das Ministerium konnte zu keiner Zeit ein Beispiel benennen.

Das lange Leiden der Dialerei konnte schließlich erst durch Gerichte und eine jahrelang nur halbherzige Regulierung beseitigt werden.

Ein aktuelles Beispiel sind die mit öffenlichem Mittel massiv beförderten Callcenter, die ihren Mitarbeitern maximal Hungerlöhne zahlen. Große Profite sammeln sich nur bei den Drahtziehern. Bürger haben nichts davon.

Es gibt keine nützlichen Dienstleistungen für die Callcenter. Jeder hat unter den Belästigungen durch Werbeanrufen und der angeschlossenen Bauernfängerei zu leiden.

Einschüchterungsfallen wären Geschichte, wenn es für Betroffene Aufklärung gäbe, Banken für die Geldwäscherei nicht einfach mitmachten und Täuschungen der Verbraucher nicht als "marktüblich" verharmlost würden.
 
#6
AW: Banditentum im Internet

Einschüchterungsfallen wären Geschichte, wenn es für Betroffene Aufklärung gäbe, Banken für die Geldwäscherei nicht einfach mitmachten und Täuschungen der Verbraucher nicht als "marktüblich" verharmlost würden.
Und wenn es ein Inkassorecht gäbe, wie in den USA ("Fair Debt Collection Practices Act").
Die Regelungen dort sind viel weitreichender und besser als im deutschen RDG, ohne aber den Forderungseinzug bei berechtigten Ansprüchen zu behindern.
Das geht alles, wenn man es will.
Man will aber nicht.
 
#7
AW: Banditentum im Internet

Genau die Hoffnung halte ich für nicht sehr begründet. Wer ist mit so viel Mühe konspirativ vor der Öffentlichkeit tarnt und gemeinwohlschädigende Raffgier zur Schau trägt, soll ausgerechnet bei der Steuer anders handeln?
Wenn es auch nur geringste Anzeichen von Steuerhinterziehung gäbe, hätte das Gewerbe längst die Steuerfahndung am Hals und wenigstens die Hälfte der Brüder säße im Knast. Schliesslich ist hier in D Steuerhinterziehung eines der schlimmsten Verbrechen überhaupt.
Offenbar findet also Steuerhinterziehung kaum statt und das Finanzamt erfreut sich der üppig sprudelnden Einnahmequellen.


Eniac
 

Reducal

Forenveteran
#8
AW: Banditentum im Internet

Wer ist mit so viel Mühe konspirativ vor der Öffentlichkeit tarnt und gemeinwohlschädigende Raffgier zur Schau trägt, soll ausgerechnet bei der Steuer anders handeln?
Das mit der Konspiration trage ich mit, siehe die Polyphem Media Ltd. oder die Content Services Ltd. oder die Banden aus dem Frankfurter Raum überhaupt. Nur, und das scheint bei den Markt"an"führern usus zu sein, werden Steuern auf die Einnahmen tatsächlich entrichtet. Nur die kleinen Trittbrettfahrer (z. B. der eine aus Rostock/Güstrow) glauben noch an den steuerentlastenden Weihnachtsmann.
 
#9
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Dass Steuern gezahlt werden, ist schon deswegen wahrscheinlich, weil hier regelmäßig Konten in Deutschland im Spiel sind. Da würde andernfalls sofort die Steuerfahndung anbeißen.
 
K

krennz

#11
AW: Banditentum im Internet

Seid Ihr Euch sicher, dass Steuern gezahlt werden?

Es wird zwar in schöner Regelmässigkeit was von 19% MwSt enthalten gelabert, aber ob die auch abgeführt werden bei Ltd, FZE und anderen Gesellschaftsformen, da bin ich mir nicht sicher.

Vlt. wäre es hier aml angebracht nachzuhaken.

Al Capone ist auch über die Steuer gestolpert, warum soll das nicht beim Frankfurter Kreisel, den bösen Gebrüdern oder Andren auch so gehen?

Man müsste nur der Steuerfahndung bei den dafür zuständigen Finanzämtern die Namen und die Anschrift der deutschen Geschäftsinhaber der ausländischen Firmen sowie die dazugehörigen Firmen und Abzockseiten nennen. Denn die können ja auch erst dann tätig werden, wenn sie quasi eine ladungsfähige Anschrift haben.

Grüsse

Klaus

PS bei [Spekulation entfernt. (bh)] war doch da auch so was??!!!
 

Reducal

Forenveteran
#12
AW: Banditentum im Internet

Seid Ihr Euch sicher, dass Steuern gezahlt werden
In den meisten Fällen wohl - JA! Die Abzockergilde ist doch i. d. R. nicht dumm und außerdem werden sie zumeist von Anwälten, Steuerberatern und Buchhaltern eingenordet.

...den dafür zuständigen Finanzämtern... Denn die können ja auch erst dann tätig werden, wenn sie quasi eine ladungsfähige Anschrift haben.
Das System ist denkbar einfach, denn dem Finanzamt ist es völlig egal, wer für was Steuern entrichtet, so lange er es tut. Mein Favorit bei der Steuerfahndung ist z. B. das FA Konstanz. Die haben dort Zeit und außerdem darbrösln die beispielsweise die Schweizer Geschäftsanbindungen mit deutschen Kunden. [Spekulation entfernt. (bh)] wurden da wahrscheinlich schon Kopfschmerzen bereitet.
 
K

krennz

#13
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Soweit mir bekannt ist wird im Quartal eine MwStvorrauszahlung fällig. Die setzt sich aus den berechneten abzüglich den gezahlten Mwsteuern zusammen. Wenn nun aber massig Rechnungen, die ja erst die Mwsteuerpflicht begründen, nicht bezahlt werden, müssten die Zockies ja erst mal in Vorlage treten. Bis dann die nicht bezahlten Rechnungen abgeschrieben werden können ist es Bilanztime. Also idR Mitte des nächsten Jahres. Meint Ihr, dass dem Finanzamt da nicht auch mal auffällt, dass hier horrende Beträge aus der MwSt hin und her geschoben werden? Ausserdem werden neben der MwSt ja auch noch andere Steuern und Abgaben fällig, sodass den Zockies m.E. nur ca 50 bis 60% der Einnahmen, abzüglich ihrer eigenen Kosten, übrig bleiben. Ein magerer Ertrag.

In anderen Foren geht man davon aus, dass keine Steuern und Abgaben in Deutschland entrichtet werden, sondern die Zockies sich auf ihre ausländischen Firmensitze berufen, wo, z.b. in Dubai, so gut wie keine Steuern anfallen. Ein Briefkasten zahlt nun mal, auch wenn er müsste, keine Steuern.

Übrigens, die SWürgs wurde von einem mir bekannten User angezeigt. Worauf es eine Razzia, auch wegen anderer Gründe, in Flensburg, Kiel und einigen anderen Orten gab. (Konzertierte Aktion von Steuer- und Strafbehörden)

Grüsse

Klaus
 
#14
AW: Banditentum im Internet

Statt - mit einigem Aufwand - individuell auf die Einwände zu reagieren, wurden ständig - in der Regel automatisiert und günstig per E-Mail - weitere Mahnungen versandt, in denen eine stetig zunehmende Drohkulisse aufgebaut wurde, um die Verbraucher zu verunsichern und möglichst zur Begleichung des angeblich zustehenden Rechnungsbetrags - zuzüglich Gebühr und Zinsen - zu bewegen. Die reichlich dreisten Drohungen reichten vom möglichen Eintrag in den Datenbestand einer bundesweit tätigen Auskunftei, über die Ankündigung der Einleitung des gerichtlichen Mahnverfahrens, bis hin zur Androhung eines Strafverfahrens wegen Betrugs oder - im Falle minderjähriger Opfer - sogar wegen der vermeintlichen Verletzung der elterlichen Aufsichtspflicht.
http://www.fh-giessen-friedberg.de/datenschutz/images/stories/21._tb_hessen_nb_2007.pdf
 
#15
AW: Banditentum im Internet

abgeordnetenwatch.de:
Es kommt immer häufiger vor, dass Verbraucherinnen und Verbrauchern Rechnungen oder Mahnungen für Waren oder Leistungen bekommen, die sie nie bestellt oder in Anspruch genommen haben.

Von diesen Zahlungsaufforderungen darf man sich allerdings nicht verunsichern lassen. Es gilt: Wer sich sicher ist, dass er nichts bestellt und keinen Vertrag geschlossen hat, muss nichts bezahlen. Ein Vertrag kommt nur zustande, wenn Verkäufer und Käufer bzw. Unternehmer und Verbraucher jeweils übereinstimmende erklären, dass eine bestimmte Sache oder Leistung zu einem bestimmten Preis gekauft bzw. erbracht werden soll. Behauptet eine Firma, ein Vertrag sei zustande gekommen, muss sie das letztlich beweisen. Die einseitige Rechnungsstellung begründet keine Zahlungs- oder sonstige Pflicht.
Zu gut deutsch: Der Bürger muss sich retten, so gut er kann. Die Politik macht nix.
 

Aka-Aka

Chaostheoretiker
#16
AW: Banditentum im Internet

Ende 2008 ist nun das Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb in Kraft getreten. Die Novelle gibt den Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Rechtssicherheit und baut das hohe Verbraucherschutzniveau im Wettbewerbsrecht aus.
Na, das sieht man ja auch gleich hier im Forum: Dank der neuen Gesetze unserer geliebten Bundesregierung tauchen hier seit 2009 keine Betroffenen mehr auf. Unsere geliebte Bundesregierung hat die Forenbetreiber hier fast arbeitslos gemacht. Dank der geliebten Bundesregierung können wir hier Däumchen drehen und uns freuen, wie gut Verbraucher geschützt werden.

Für wie dumm will man den Bürger verkaufen? Man testet in diesem Lande offenbar seit Jahren, wie weit man dabei gehen kann und da man keinen Boden findet, wird's jedes Jahr schlimmer...

horsewhip, horsewhip
 
#17
AW: Banditentum im Internet

Vielleicht ändert sich ja dann mal was, wenn wir hier, anstatt Info-Arbeit zu leisten, einfach nur noch Links an die Pressestelle des Justizministeriums anbieten. "Mailst Du hier, da wird Dir geholfen." :rolleyes:
 
#19
AW: Banditentum im Internet

Ich weiß auch nicht, wie die Organisatoren von Verbraucherschutzforen eigentlich dazu kommen, kostenlos Informationsportale wie die Grundsatzartikel hier oder das Wiki bei Antispam.de anzubieten. Es wäre eigentlich die Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesjustizministeriums, solche Informationsartikel auf der Webseite des BMJ vorzuhalten.
 
K

krennz

#20
AW: Banditentum im Internet

Hi Antiscammer,

wir hier, die als "Helferlein" auftreten machen das ehrenamtlich und, so wie es aussieht, auch gut. Das spart dem BMJ und anderen Ministerien etliche Hunderttausend, wenn nicht sogar Millionen Euronen.

Stell Dir mal vor, die müssten allen "Helferlein" aus den Foren pro geleistete Stunde 15 Euronen bezahlen zuzüglich Arbeitgeberanteil an Sozialversicherungen etc.

Ich wollte eigentlich noch mehr sagen, lass es aber lieber, sonst wird der Beitrag gelöscht.

Grüsse

Klaus

PS: Ich habe mich schon mehrfach an meinen Landtags- und Bundestagsabgeordneten gewandt, ein kleines bischen was hat das wohl schon genützt. Zumindest ein bischen. WEnn das jedes "Helferlein" tun würde .......................................................!!!
 
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