Datenschützer droht Webseitenbetreibern mit Bußgeldverfahren wegen Facebook-Integration

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein (ULD) fordert alle Webseitenbetreiber in Schleswig-Holstein auf, die Facebook-Integration von ihren Seiten zu entfernen. Sollten sie das nicht bis Ende September 2011 getan haben, so kündigt das ULD weitere Schritte gegen die Webseitenbetreiber an. Mögliche Schritte wären Untersagungsverfügungen und Bußgeldverfahren. Der Bußgeldrahmen geht hier bis maximal 50.000 EUR.
Hintergrund der Forderung ist, dass nach Ansicht des ULD Facebook sich nicht an die in Deutschland geltenden Datenschutzgesetze hält und die Webseitenbetreiber relevante Benutzerdaten an Facebook weitergeben.

Die datenschutzrechtliche Analyse findet Ihr unter folgender Adresse: http://goo.gl/zXD24

Hier gehts zur Veröffentlichung des ULD mit der erwähnten Forderung: http://goo.gl/9OLNv
 

Reducal

Forenveteran
Die Leute sind doch dort alle freiwillig. Wenns ihnen nicht taugt, sollen sie halt nimmer hin.
Sehe ich genau so!
Wer soll denn geschützt werden? Wollen die zu schützenden überhaupt, dass man sie in Watte packt?

So eine Landesamt für Trallala übernimmt keinerlei Verantwortung und ist auch nicht berufen, Konsequenzen oder Maßnahmen zu tragen. Was also soll der Schmarrn?

@ Heiko, wir haben in der Plauderecke noch einen Thread mit ähnlichem Tenor - könnte man die nicht verbinden?
 

Rüdiger Kunz

Forenveteran
Zum Thema hätte ich da mal eine Frage. Auf einer Website kann man ja nun die Facebook-Integration vornehmen. Was aber sagt die kryptische Zahl hinter dem "gefällt mir" aus?

Hier ein Beispiel (die Seite wurde seit der Einbindung aber von 100 Nutzern besucht):

fazebuze2.jpg
 

Gunnar

Frisch registriert
Zunächst mal ist der "Like" Button nicht so harmlos, wie es den Anschein hat. Denn jedesmal, wenn er angeklickt wird, erhält Facebook Ireland LTD* einen ganzen Satz Daten über den User, der das tut. Das dient dazu, ihn noch besser zu bewerben. Natürlich werden diese Daten aufgezeichnet, so ohne weiteres einzusehen sind sie jedoch nicht. Und das es Mark Zuckerberg's liebster Wunsch ist, das alle User 24/7 online sind und jedes und alles aufgezeichnet wird, ist keine Utopie. Sondern real, und machbar, hier und heute. Ich verweise hierzu auf die entsprechenden Erklärungen seitens des Herrn Zuckerberg.

Die Frage, ob und wer geschützt werden will oder soll hat für mich weniger Relevanz als die nach dem unglaublich hohem Druck durch die Gruppe(n), der mittlerweile ensteht, wenn man keinen FB-Account hat. "Die sind doch alle freiwillig da"- dieses Argument zieht nicht, wenn der Gruppenzwang berücksichtigt wird. Hier wird im großen Maßstab mit Menschen und menschlichen Gefühlen gespielt, einzig zu dem Zweck, das Bestes aus ihnen herauszuholen. Ihr Geld.

Weiterhin erhebt sich die Frage, an was Facebook nun Rechte hat und an was nicht. Da bleiben auch Gesichtszüge auf Fotos nicht außen vor. Und schlußendlich, wollen wir eine Welt, in der wirklich alles gespeichert und nichts gelöscht wird? Denn gelöscht ist nicht gelöscht. Auf der PDF-CD finden sich auch alle (einschließlich gelöschter) Chatprotokolle und Freunde. Das trotz dreimaliger Abfragen, ob man wirklich löschen will. Facebook hat es noch gespeichert. Und selbst die CD dürfte nicht alles enthalten. Verfahren dazu sind anhängig.
* Facebook Ireland LTD ist eine eingetragene Tochtergesellschaft der in den USA ansässigen Muttergesellschaft. Sie wurde wohl aus steuerlichen Gründen in Dublin gegründet und unterliegt dem Recht der EU. Das ist insbesondere für Verstöße gegen den Datenschutz wichtig.
 

Heiko

root
Teammitglied
Ich will Dir nicht widersprechen, das Problem ist aber vielschichtiger. Nehme zum Beispiel mal Google. Nicht umsonst bietet Google alle Dienste unter einer Domain an: so sind sie in der Lage, dienstübergreifend auf alle Cookies und Informationen zuzugreifen, ohne dass der Benutzer das bestätigen muss. Über Google regt sich aber niemand auf und das ist noch wesentlich umfassender als Facebook. Und das auch, wenn man keinen GMail- oder sonstigen Account hat. Die Problematik ist vorhanden, das stimmt. Wieso stürzen sich die Datenschützer grade auf Facebook? Ich denke mal, weil das plakativ und gut zu vermarkten ist. Das einzige Problem ist das jedenfalls nicht.
Gruppenzwang ist auch gut und schön. Schau Dir mal die Statistiken einer durchschnittlichen Webseite an: ca. 85 - 90 % des Traffics kommen von Google. Das nenn ich mal Gruppenzwang (vor allem für die Seitenbetreiber). Wer nicht in Google ist, ist zu Bedeutungslosigkeit verdammt. An diese Marktmacht geht aber keiner ran. Da wettert man lieber gegen Facebook, weils eben "schick" ist.

Um es mal deutlich zu sagen: ich bin kein großer Facebook-Fan, ich halte es sogar im Prinzip für den überflüssigsten Dienst im Netz. Das sehen aber so viele Leute anders, dass auch wir als Verbraucherschutzseite nicht umhin kommen, uns in Facebook zu positionieren.

Kurz: Lösung habe ich keine, die alleinige Konzentration auf Facebook als "Gegner" ist mir aber auch zu plakativ und zu eng gegriffen.
 

A.Schreiter

Frisch registriert
Das Problem liegt doch wohl eindeutig bei der Aufklärung der Nutzer und nicht an dem "Like-Button". Wieso den Leuten verbieten ihr Meinung in dieser Form auszudrücken?
Hier muss natürlich dafür gesorgt sein, dass alle wissen was passiert wenn sie den Button betätigen. Sollte dies der Fall sein, muss es jedem frei sein seinen Freunden sowie Facebook mitzuteilen was man für Mitteilungswürdig hält!
Noch mehr als für Datenschutzpolitik, sollte man Facebook für ihre Aufklärungspolitik kritisieren!
 
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