Hinweis auf Kosten plötzlich da

Dieses Thema im Forum "Infos und Grundsatzartikel zu Recht und Gesetz" wurde erstellt von Der Jurist, 5 Oktober 2008.

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  1. Der Jurist

    Der Jurist Mitarbeiter

    Hinweis auf Kosten plötzlich da oder Der Trick mit den zwei Web-Seiten

    Ein einfacher Trick, um ahnungslose Internet-Nutzer über Kostenfallen zutäuschen, ist auch das Vorhalten von zwei (oder mehr) Seiten.

    Beworben wird die zweite Seite ohne Hinweise auf Kosten. Diese Seite sog. Landingpage wird auch aufgerufen, wenn der "Kunde" beim ersten Mal auf die Seite geht.
    (nahezu ausschließlich über Googleadsensewerbung, Popupwerbung oder Spammails)

    Will er später die Seite erneut aufrufen, wird er unter der ihm bekannten Web-Adresse aber nur die erste Seite finden. Da wird dann deutlich auf Kosten hingewiesen.

    Ebenso heimtückisch ist die Variante, dass zunächst die Seite ohne Kosten-Hinweise im Netz steht. Wenn dann genügend Internet-Nutzer auf die Seite hereingefallen sind, wird sie "überarbeitet" und plötzlich sind Hinweise auf Kosten nicht mehr zu übersehen.

    Wenn diese Technik dem Rechtsanwalt, der den Nutzer vertritt, bekannt ist, ist die juristische Verteidigung dagegen leicht. Dann muss man nur mit "Nichtwissen" bestreiten, dass die Seite mit dem Kostenhinweis genau dann im Netz stand, als der Nutzer sie aufgerufen hat.

    Vor Gericht muss dies aber auch ausdrücklich gesagt werden. Denn vor den Zivilgerichten (Amtsgericht, Landgericht)gilt: Das Gericht beachtet nur, was ausdrücklich im gegenständlichen Verfahren vorgetragen wird, auch dann wenn es sonst allgemein bekannt ist. Kurz: Es muss gesagt oder geschrieben werden: "Ob die Seite beim Aufruf durch mich überhaupt einen Preis gezeigt hat, weiß ich nicht. Auch wenn Sie heute einen Preis zeigt, mag dies damals anders gewesen sein. Weiter weiß ich nicht, ob ich genau die Seite aufgerufen habe, von der der Kläger behauptet, sie sei seine Eingangsseite. Internet seiten sind schnell änderbar bzw. können verschiedene Seite durch Umlenkung der Anfrage aufgerufen werden, ohne dass der Nutzer dies merkt. Weiter können durch Aus- und Einblendungen verschiedenes Information gezeigt bzw. abgedeckt werden, ohne dass der Nutzer dies wahrnimmt."


    Sollte der Anbieter seinerseits einwenden, das sei technisch nicht möglich, muss der Rechtsanwalt des Nutzers nur verlangen, dass dazu Beweis erhoben wird, indem er fordert, dass das Gericht vom
    Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
    Godesberger Allee 185 - 189
    53175 Bonn
    Telefon: 0228 99 9582-0
    Telefax: 0228 99 9582-5400
    E-Mail: [email protected]
    eine amtliche Auskunft einholt.

    Schon ist die Klage des Nutzlosanbieters in sich zusammengefallen. Das dürfte übrigens auch ein Grund dafür sein, dass es solche Klagen bislang nur ganz vereinzelt gab. Die Nutzlosanbieter wissen schon, warum sie den Gang zu den Gerichten scheuen. Blutige Nasen gibt es anderswo billiger.
  2. webwatcher

    webwatcher Forenveteran

    AW: Hinweis auf Kosten plötzlich da

    Ergänzend zu den Erklärungen, wie Links/Inhalte von/auf Webseiten in Anhängigkeit
    des Aufrufs manipuliert werden können, auch noch der eindringliche Hinweis,
    dass Webseiten selber grundsätzlich sehr flüchtig sind.

    Inhalte können zu jedem Zeitpunkt in Sekundenbruchteilen verändert werden.
    Daher sind Einlassungen von Forderungsstellern "Das steht/stand dort" von keinerlei
    Beweiskraft.

    Es gilt immer wieder der Satz. "Webseiten sind nicht in Granit gemeißelt"

    Forderungssteller müßten in einer gerichtlichen Auseinandersetzung den Beweis
    antreten, was wann für einen Verbraucher sichtbar und deutlich erkennbar gewesen wäre.
    Da dies de facto nicht möglich ist, meiden die "Anbieter" Prozesse praktisch völlig.
    Der Verbraucher braucht lediglich abzustreiten, wie vorstehend erläutert, dass Preishinweise
    sichtbar gewesen wären. Er selber muß gar nichts beweisen.

    Zur Diskussion: http://forum.computerbetrug.de/rech...sion-zu-hinweis-auf-kosten-ploetzlich-da.html
  3. Der Jurist

    Der Jurist Mitarbeiter

    AW: Hinweis auf Kosten plötzlich da

    Wirklich schön zu sehen:
    Einmal über Google ohne Hinweis auf Kosten,
    einmal direkt- und plötzlich sind die Kosten zu sehen.
    Der dicke Punkt auf der Stirn macht den Unterschied.

    Anhänge:

  4. Der Jurist

    Der Jurist Mitarbeiter

    AW: Hinweis auf Kosten plötzlich da

    So, hier die Screenshots von den drei Beispielen von Seitenversionen.

    Das "Kleingedruckte" unten auf den Seiten ist bei allen Versionen identisch, deswegen hab
    ich es nur zweimal rausfotografiert.

    Die unterschiedlichen Layouts werden einfach nur durch einen unterschiedlichen Session-Code
    geladen, das ist in den Screenshots auch anhand der URL-Zeilen des Browsers erkennbar.

    Also je nachdem, wie man die Seite aufruft, sieht sie aus.

    Die Seite, die mit einer Suchmaschine gefunden wurde, kann völlig anders gestaltet sein,
    als die Seite, wenn man im Browser "[noparse]www.seitenname.de[/noparse]" eingibt,
    weil die Ergänzung aus der Suchmaschine fehlt.

    Der Trick geht auch, wenn der Pfad über eine Email übermittelt wurde.

    Danke an die Mods für das kurzfristige Öffnen der Seite.

    Anhänge:

  5. webwatcher

    webwatcher Forenveteran

    AW: Hinweis auf Kosten plötzlich da

    Die "Treffer" der Suchmaschine sind in aller Regel Werbung und daher von vorherein manipulierbar.

    Abzocke per Google: So locken Abo-Gangster Opfer in die Falle: computerbetrug.de und dialerschutz.de
  6. Antiscammer

    Antiscammer Sehr aktiv

    AW: Hinweis auf Kosten plötzlich da

    Hier mal ein weiteres Beispiel der Webseite "Load-Tipp.de".

    Gehe ich auf deren Homepage: load-tipp.de, dann sehe ich unten weiß auf schwarz (unter Augenkrebsgefahr :scherzkeks:, in Kleinstschrift, aber immerhin...) einen Passus "Rechnungen, Preise und Vertragslaufzeit" mit einen "Spottpreis" :scherzkeks: von 192 Euro für 24 Monate.

    [​IMG]


    Gehe ich jetzt auf die Unterseite: load-tipp.de/downloaden.html, dann ist - April, April! - die ganze Preiskennzeichnung weg.

    [​IMG]

    Ich habe hier also 2 Versionen eines Angebots auf der Webseite vorliegen:

    ein Angebot ist kostenpflichtig, ein anderes nicht.

    Welche gilt denn nun? :-?

    Nun wird uns die liebe Frau A. in Leipzig natürlich erklären, dass im Zweifelsfall immer nur das kostenpflichtige Angebot gilt.

    Das dürfte ein Richter allerdings anders sehen.

    Jedenfalls ist das keine eindeutige Angebots- und Preisbeschreibung gemäß der Informationspflichten aus § 312c BGB i.V.m. BGB-InfoV.

    Wenn man - etwa über Werbelinks - direkt auf die Unterseite: /downloaden.html verlinkt wird, dann sieht man natürlich keinen Preishinweis (nicht einmal den in Mikroschrift).
  7. webwatcher

    webwatcher Forenveteran

    AW: Hinweis auf Kosten plötzlich da

    Bisher mußte noch kein User dies deutschen Richtern erklären. Roßtäuscher meiden den Kontakt
    mit der Gerichtsbarkeit de facto völlig.
  8. Der Jurist

    Der Jurist Mitarbeiter

    AW: Hinweis auf Kosten plötzlich da

    Da gibt es etwas mehr oder weniger Neues:

    heise online - Clickjacking-Problem in Browsern bleibt bestehen

    Weboberflächen mit Kenntnisnahme von AGB und Vertragsschluss usw.

    Mit halbdurchsichtigen Frames können auch Kostenhinweise mit "kostenlos" oder "gratis" übertüncht werden.
  9. Der Jurist

    Der Jurist Mitarbeiter

    Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Abo-Fallen-Betreiber angeklagt. Diese haben mit Seiten mit und ohne Kosten-Hinweise eingesetzt.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Anklage-wegen-Abzocke-mit-Abofallen-1365351.html

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