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Facebook, "soziales" Netzwerk, Datenkrake oder Geldmaschine?

Dieses Thema im Forum "Soziale Netzwerke / Datenschutz" wurde erstellt von Dirk Katzenschwanz, 23 November 2014.

  1. Seit ca. 2 Jahren habe auch ich ein Facebook-Konto und netzwerke dort mehr oder weniger intensiv vor mich hin. Habe einmal das Konto gelöscht bekommen, weil Facebook Pseudonyme o.ä. absolut nicht zulassen möchte und ein Authentifizierungsverfahren von mir verlangt, dass nach deutscher Gesetzgebung schlicht nicht zulässig ist. Selbst amerikanische Sexarbeiterinnen, bei denen man nun wirklich nachvollziehen kann, dass sie ihre „Dienste“ nicht unter ihren Klarnamen anbieten möchten, bekamen ihre Facebook-Konten gelöscht, was nach Aufschrei durch die Medien mit einer Kompromisslösung beigelegt worden ist. Ich könnte noch eine Fülle anderer Funktionen und Kritikpunkte aufführen, was aber den Rahmen sprengen würde.

    Allerdings fing es mir langsam zu dämmern an, wie denn der gigantische Kaufpreis des Börsengangs von ca. 108 Mrd. USD zustande gekommen sein wird. Auf dem Papier nach dem Ist-Zustand betrachtet sieht es ja tatsächlich wie eine gigantische Übertreibung = Spekulationsblase aus. Zum Zeitpunkt des Börsengangs hatte Facebook ca. 1 Mrd. User, inzwischen sind es ca. 1,4 Mrd., wobei eine gewisse Sättigung abzusehen ist, bedenkt man, dass die Weltbevölkerung „nur“ ca. 7 Mrd. Menschen beträgt.

    Also wenn ich den Preis von 108 Mrd. USD durch die Anzahl der Nutzer teile, komme ich auf ca. 100 USD pro User-Account. Wohlgemerkt für ein Netzwerk, dessen Nutzung von Premium-Accounts abgesehen, kostenfrei ist und nach Unternehmensangaben auch weiterhin bleiben soll. Wenn man die gigantische Technik und deren Kosten betrachtet, die zum Betrieb von Facebook nötig ist, stellt sich die Frage, wie denn das Geld jemals wieder eingespielt werden soll. Gut, Facebook schaltet Werbung, mal zaghaft in einer Leiste rechts neben der Timeline, mal ein wenig aufdringlicher mitten in der Timeline, dazu kommen die Einnahmen aus den Premium-Accounts und von Firmen, die ihre Präsenz auf Facebook bezahlen.

    Entsprechend mickrig sehen ja auch die operativen Zahlen im Vergleich zum Kaufpreis aus.

    2013

    Umsatz ca. 8 Mrd. USD

    Gewinn nach Steuern ca. 1,5 Mrd. USD

    Am deutlichsten erkennt man das Missverhältnis Kaufpreis zum operativen Ergebnis, dass sich im sogenannten KGV ausdrückt, also Gewinn nach Steuern in Relation zum Preis aller Aktion zum aktuellen Kurs. Je geringer der Wert, desto profitabler, also kaufenswerter die Aktie. Der Durchschnitt der deutschen Aktienwerte liegt bei ca. 15, Facebook bei > 2500!

    Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass zum Zeitpunkt des Börsengangs in erster Linie professionelle Investmentgesellschaften die Aktienpakete erworben haben, die i.d.R. mit Kapitalrenditen von ca. 20 % rechnen, bedeutet dies, dass die Erwartung darin liegt, mir Facebook mittelfristig, also auf eine Perspektive von allenfalls 3 bis 5 Jahren ca. 20 USD Gewinn nach Steuern pro User erzielt werden soll.

    Und wie soll das funktionieren?

    Halten wir uns Henry Fords Zitat vor Augen: „die Hälfte der Werbung ist rausgeworfenes Geld, man weiß nur nicht, welche Hälfte“, wird uns plastisch, wie hilflos die Werbetreibenden einschließlich aller Marktforschung nach dem unbekannten Kunden und hoch die Streuverluste bei Werbung tatsächlich sind.

    Und genau an dem Punkt kommt jetzt Facebook mit über einer Milliarde gläserner und plastischer Potentialkunden daher. Und genau hier setzen die Funktionen von Facebook auch an und es wird deutlich, warum Facebook nach und nach immer mehr Konten verifiziert. Selbst langjährige User werden immer wieder aufgefordert, man möge doch bitte seinen Personalausweis oder einen Ausweis mit Lichtbild einsenden.

    Facebook ist nicht etwa daran interessiert, dass ich „Freunde“ in Uganda oder Alaska finde, denen kann ich je nach Einstellung nicht mal eine Freundschaftsanfrage stellen, bzw. fragt Facebook argwöhnisch, ob ich denjenigen tatsächlich kennen würde und rät mir davon ab, unbekannten Personen eine Freundschaftsanfrage zu senden. Klar mit so einem Cluster Deutschland – Uganda – Alaska kann kein Werbetreibender was anfangen.

    Aber mit dem Cluster meiner Freude, Arbeitskollegen, Bekannten, Nachbarn usw. wird ein Kundenpotential herausfiltern, dass sich sehr gezielt ansprechen lässt. So kann beispielsweise die Konditorei XYZ, die auf diese Weise erfahren hat, dass ich auf Erdbeertorten stehe, ganz gezielt, quasi ohne Streuverlust mit einen Gutschein für eine Erdbeertorte anbieten und gleich alle meine Freunde/Bekannten aus meiner Umgebung einladen. Und sie kann sogar Response erwarten, warum ich den Gutschein doch nicht eingelöst hätte bzw. welche Obsttorte ich lieber genommen hätte.

    Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, worin die Fantasie von Facebook besteht und worauf die Erwartungshaltung in Facebook gründet. Jedenfalls wurde mir plastisch, wo die Reise mit diesem „sozialen“ Netzwerk hingeht. Ob und wie sehr, der einzelne Werbung so dicht und gezielt an sich heranlassen will, muss natürlich jeder individuell für sich entscheiden.

    Mark Zuckerberg wird mich wahrscheinlich in sein Nachtgebet einschließen.
     
  2. Noisette

    Noisette Frisch registriert

    Facebook ist erwiesener Maßen beides. Sowohl Datenkrake (grade nach dem Zukauf von WhatsApp), als auch eine Gelddruckmaschine...
     

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