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Nutzlosbranche steht als spöttischer Oberbegriff für eine Gruppe von Firmen und Geschäftsleuten, die durch Internetseiten mit versteckter Kostenpflicht und anschließendem Inkasso-Stalking versuchen, Verbraucher um ihr Geld zu bringen.Geschäftsmodell und Arbeitsweise der NutzlosbrancheDas Geschäftsmodell der Nutzlosbranche wird auch unter dem Begriff Abo- und Vertragsfallen im Internet zusammengefasst.Die Mitglieder der Nutzlosbranche veröffentlichen Internetseiten zu attraktiven Themen wie SMS-Versand, Warengutscheinen, Wissens- und IQ-Tests, Führerscheintests, Lebenserwartung, Verwandtschaft, Tieren, Hausaufgaben, Nachbarschaftsbeziehungen oder Berufswahl. Prominent auf diesen Seiten platzieren sie ein Formular, in das Besucher ihre Daten (Name, Anschrift, Geburtsdatum, Mailadresse) eingeben sollen, um den angebotenen Dienst nutzen zu können. Im direkten Anschluss an dieses Formular muss der potenzielle Kunde per Klickfeld bestätigen, dass er die AGB gelesen habe. Per Klick auf einen - meist groß und auffällig gestalteten - Button soll die Dienstleistung dann gestartet werden.Die Erklärung, dass die Inanspruchnahme des Dienstes Geld koste, wird dabei klein und unauffällig im Fließtest oder außerhalb des zunächst sichtbaren Blickfelds - etwa am untersten Seitenrand - versteckt. Wenn ein Betroffener sich aufgrund einer der obigen Tricks für den Dienst "angemeldet" hat, erhält er wenig später eine Rechnung per Mail. Verweigert der Empfänger die Bezahlung, etwa weil er sich über die Kostenpflicht getäuscht fühlt, beginnt das Inkasso-Stalking - so lange, bis "ausreichend" Opfer gezahlt haben.Technische Tricks und Manipulationen der NutzlosbrancheIn vielen Fällen lockt die Nutzlosbranche ihre Opfer über Werbe-Mails in die Falle. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein personalisierter Link in der Mail.Sehr häufig arbeiten die Mitglieder der Nutzlosbranche auch mit zwei verschiedenen Webseiten. Opfern werden in solchen Fällen oft - etwa durch solche personalisierte Links - auf eine Seite ohne Hinweise auf Kosten gelockt. Diese Seite wird auch aufgerufen, wenn der "Kunde" beim ersten Mal auf die Seite geht. Will er später die Seite wieder aufrufen, wird er unter der ihm bekannten Web-Adresse aber nur die Seite finden, auf der deutlich auf Kosten hingewiesen wird.Ebenso heimtückisch ist die Variante, dass zunächst die Seite ohne Kosten-Hinweise im Netz steht. Wenn dann genügend Internet-Nutzer auf die Seite hereingefallen sind, wird sie "überarbeitet" und plötzlich sind Hinweise auf Kosten nicht mehr zu übersehen. Dies ist dann auch die Seite, auf die die eingeschaltete Inkassofirma oder der Inkasso-Anwalt in ihren Drohbriefen hinweisen. Dimension der NutzlosbrancheVerbraucherschützer gehen davon aus, dass in Deutschland ein harter Kern von rund 50 bis 100 Menschen in der Nutzlosbranche tätig ist. Dabei verstecken sich die Täter oft hinter Briefkastenfirmen und Tarnadressen im In- und Ausland, um sich gegen straf- und zivilrechtliche Verfolgung durch deutsche Behörden und Verbraucherschutzorganisatioen zu schützen. Beliebte Tarnadressen sind dabei beispielsweise Road Town auf den British Virgin Islands und Dubai.Hinzu kommen Helfer und Helfershelfer, etwa Anwälte und Betreiber von Inkassofirmen, die mit Rechnungen, Mahnungen und Drohungen den Zahlungsdruck gegenüber den Verbrauchern aufbauen. Die Zahl der Lock-Seiten im Internet liegt im mittleren dreistelligen Bereich, schwankt dabei jedoch immer wieder. Volkswirtschaftlicher Schaden und Opferzahlen Die Verbraucherzentralen schätzten den volkswirtschaftlichen Schaden, den die Nutzlosbranche anrichtet, auf jährlich mehrere Millionen Euro. Bundesweit gingen jeden Monat rund 20.000 Beschwerden von Verbrauchern über Abo- und Vertragsfallen im Internet ein, berichtete die Verbraucherzentrale Hessen. Quelle: stern.deUrteile gegen Abo- und Vertragsfallen Vor allem der Verbraucherzentrale Bundesverband hat seit 2006 eine Vielzahl von Abmahnungen und Gerichtsurteilen gegen Mitglieder der Nutzlosbranche erwirkt. In mehreren Fällen gelang es jedoch nicht, den Tätern Abmahnungen zuzustellen, da sich diese hinter Briefkastenfirmen im In- und Ausland versteckten.Auch in den einzigen zwei Fällen, in denen potenzielle Opfer verklagt wurden, verloren die klagenden Seitenbetreiber, nicht etwa die Verbraucher.
Etymologie und Historie Der Begriff "Nutzlosbranche" wurde erstmals am 26. August 2007 im Forum von computerbetrug.de geprägt und verwendet. Schöpfer des Begriffs Nutzlosbranche ist Nutzer jupp11. Er stellte im Zusammenhang mit der Seite feel-free- sms.com fest, dass "keiner der Nutzlosbranche (...) sich auch nur in die Nähe der StA" wage.Weblinks |